"Unser Geschäftsführung ist völlig inkompetent!
Die ändern ihre Entscheidungen, wie Andere ihre Unterhosen!"
Lesezeit: 2,5 Minuten
In meiner Laufbahn als COO und Prokurist wurde ich sehr häufig mit dieser Aussage konfrontiert. Auf Nachfrage hieß es in der Vergangenheit häufig, dass ein professionelles Management doch konsequent zu ihren Entscheidung stehen sollte. Es zeugt von Inkompetenz, Entscheidungen innerhalb von einem Tag teilweise um 180 Grad umzukehren.
Die Frage, die sich mir an dieser Stelle stellt, ist: Ist das so? Zeugt das wirklich von Inkompetenz oder gibt es dafür sogar einen plausiblen Grund?
Ich habe über die Jahre hinweg festgestellt, dass Entscheidungen des Managements bzw. der Geschäftsführung für die Mitarbeitenden nicht nachvollziehbar sind und dadurch häufig zu Unmut und Frustration führen.
Und daran schließt sich direkt die nächste Frage an: Warum ist das so?
Um dieser Fragestellung zu begegnen, müssen wir zunächst zwei weitere Fragen beantworten:
1. Warum werden Entscheidungen im Nachhinein korrigiert und nicht von Anfang an richtig getroffen?
2. Warum sind die Entscheidungen für die Mitarbeitenden nicht nachvollziehbar?
Zu Frage 1:
Im Top-Management sind wir häufig dazu gezwungen, auf Veränderungen zu reagieren und zu einem bestimmten Zeitpunkt Entscheidungen zu treffen, da eine Deadline erreicht ist und schlichtweg eine Entscheidung her muss. Das ist im privaten Umfeld jedoch nichts Anderes.
Wir alle können immer nur Entscheidungen auf Grundlage der Informationen treffen, die zu dem jeweiligen Zeitpunkt vorliegen. Diese Informationsgrundlage ist jedoch - und darüber sollte sich auch jeder im Klaren sein - niemals vollständig. In unserer Welt verfügen wir immer nur über einen Teil der möglichen Informationen, die durch unsere selektive Wahrnehmung sowie unserer Vorerfahrungen eingefärbt sind und dementsprechend interpretiert werden.
Obwohl wir uns dessen bewusst sind, müssen wir auf Grundlage dieser Informationen über den jeweiligen Sachverhalt entscheiden.
Kommt nun am nächsten Tag eine neue Information hinzu, die am Vortag noch nicht dagewesen ist und sich mit dieser Information herausstellt, dass die primär getroffene Entscheidung nicht richtig ist, wäre es auf Grundlage des Prinzips des “konsequent seins” richtig, bei der Entscheidung zu bleiben?
Dies ist logischerweise eine rhetorische Frage und die Antwort lautet: NATÜRLICH NICHT!
Ein Beispiel:
Stell dir mal vor, du buchst ein halbes Jahr im Voraus eine Reise in ein fernes Land.
Zwei Tage vor Reiseantritt bricht im Land ein Bürgerkrieg aus.
Würdest du konsequenter Weise noch dort hinreisen?
Ein weiteres Beispiel:
Stell dir vor, ein Angeklagter wird vor Gericht auf Grundlage der vorliegenden Beweise für schuldig befunden und zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt.
Nach zwei Jahren wird der Fall neu aufgerollt und ein DNA-Test bringt den Beweis, dass der Angeklagte unschuldig ist. Ist es dann richtig, dass der Richter konsequenter Weise bei seinem Urteil bleibt und den Angeklagten seine Haftstrafe absitzen lässt?
Ich denke, wir sind uns alle einig, dass auch hier die Antwort lautet: NATÜRLICH NICHT!
Natürlich ist es in beiden Fällen richtig, die Entscheidung zu korrigieren.
So viel zur These, dass eine nicht konsequente Führung mit Inkompetenz gleichzustellen ist.
Ganz im Gegenteil zeugt es von Kompetenz, Professionalität und einem hohen Reifegrad, wenn die Führung sich hinstellt und zugibt, eine falsche Entscheidung getroffen zu haben und diese im Nachhinein auf eine "Richtige" korrigiert.
Kommen wir nun zu Frage 2:
Warum sind die Entscheidungen für die Mitarbeitenden nicht nachvollziehbar?
Auch diese Frage ist mit ein bisschen psychologischen Hintergrundwissens leicht zu erklären.
Ich möchte diese Frage diesmal mit einem Beispiel einleiten, das jeder von uns in der Vergangenheit miterleben durfte: Die Corona-Pandemie
In dieser Zeit stand unsere Politik vor einer Herkulesaufgabe. Die Zahlen der Erkrankten sind teilweise in beängstigenden Maße gestiegen und unsere Regierung stand vor einer - in dieser Epoche - noch nicht dagewesener Herausforderung. Die Entwicklung war nicht abzusehen. Ist es nur eine kleine Grippe oder ein Virus, der im Zweifel die gesamte Menschheit ausrotten könnte? Darüber hinaus fehlten Erfahrungswerte, wie mit dieser Art von Krise umzugehen ist, da keiner unserer Politiker dies in seinem Leben bereits durchlebt und gemeistert hat.
So kam es dazu, dass in Hochzeiten gefühlt täglich neue Maßnahmen, Verhaltensregeln, Vorgaben und Verbote beschlossen und kommuniziert worden sind, bis gefühlt keiner mehr den Überblick hatte, was nun gilt und was nicht.
Für einen Großteil der Deutschen sind auch an dieser Stelle Zweifel bzgl. der Kompetenz unsere Regierung aufgekommen und die Reputation unserer Politiker hat enorm gelitten.
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