"Mir fehlt es bei meinem Arbeitgeber an Wertschätzung!"
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Diese Aussage lässt sich bei unzähligen negativen Bewertungen auf Jobportalen, wie beispielsweise KUNUNU, lesen und auch ich selbst durfte diese Aussage in den letzten 10 Jahren meines Berufslebens häufiger, als mir lieb ist, aus erster Hand hören.
Aber wie lässt sich dieses Phänomen erklären? Woher kommt die fehlende Wertschätzung aus Sicht der Arbeitnehmer auf die Arbeitgeber?
Kann es wirklich sein, dass es kein Unternehmen im 21. Jahrhundert schafft, seinen Mitarbeitenden eine adäquate Wertschätzung entgegen zu bringen?
Aufgrund meiner Erfahrung kann ich diese These in keinster Weise bestätigen, da ich aus meinem Unternehmernetzwerk heraus genau weiß, dass sich der Großteil der Unternehmer sehr bewusst darüber ist, wie wichtig das Thema Wertschätzung für die Mitarbeitenden heutzutage ist und sich viele fast ein Bein ausreißen, in dem Versuch, ihren Mitarbeitenden so wertschätzend, wie nur möglich, zu begegnen.
Doch wie sollte man dem Thema am besten begegnen?
Wenn mich meine Coachees mit dieser Aussage konfrontieren, gehe ich stets auf die gleiche Weise vor, um dem Thema zu begegnen. Diese besteht in der Sensibilisierung und rationalen Erklärung der Grundprinzipien der menschlichen Psyche in Bezug auf Selbstwert und dem emotionalen Entwicklungslevel des jeweiligen Individuums.
Entwicklungspsychologisch betrachtet benötigen wir Menschen zwischen 30 bis 35 Jahre, um uns zu einer gestandenen Persönlichkeit zu entwickeln, bzw. um unser Selbstbild zu formen. Erst dann sind wir so weit, für uns selbst zu erkennen, wer wir sind, wofür wir stehen bzw. einstehen und was wir von unserem Leben erwarten können.
Gerade in den prägenden Jahren der Pubertät, in der wir uns schon sehr erwachsen fühlen, weil wir sprechen, denken und teilweise schon autonom handeln können, sind wir enorm anfällig für die Meinung anderer. Die soziale Akzeptanz sowie positives Feedback auf das eigene Handeln sowie unser Verhalten, ist uns in dieser Zeit extrem wichtig, denn dies gibt uns Orientierung, wie wir uns als Erwachsene zu verhalten haben.
In dieser Zeit machen wir unseren Selbstwert also stark abhängig von der Meinung unseres näheren Umfeldes.
Das Ziel besteht darin, sich in seiner Persönlichkeit so weit zu entwickeln, dass man sich unabhängig von der Meinung anderer macht, anfängt sich selbst so zu akzeptieren, wie man ist, mit all seinen Stärken, Talenten, Schwächen und Entwicklungsfelder und die Selbstzweifel hinter sich lassen kann. Ein hoch entwickeltes Individuum zeichnet sich u.A. dadurch aus, dass es sich frei macht, von der Wertung anderer Menschen. Oder anders ausgedrückt, man fängt an sich selbst mehr zu lieben, als jeden anderen Menschen auf dieser Welt. Auf diesem Entwicklungslevel ist man nicht mehr auf das Feedback in Form von Lob und Anerkennung für die eigene Leistung von Außen angewiesen.
Menschen, die einen hohen Grad an Selbstwert in ihrem Leben entwickelt haben, empfinden sich selbst als enorm wertvoll und ziehen ihren Selbstwert aus den eigenen Erfolgen, die sie für sich selbst als Erfolge verzeichnen. Diese Menschen, sind in der Lage, aus jeder Lebenslage das Positive zu ziehen und Rückschläge als Teil der eigenen Reise sowie als Wachstumschance zu sehen, ohne dabei "lower Emotions" (Dr. David Hawkins) zu empfinden, wie Angst, Wut, Frust oder Selbstzweifel. Sie suchen die Schuld für diese Rückschläge auch nicht im Außen, sondern bei sich selbst und überlegen, was sie zukünftig anders machen müssen, um wiederum Erfolge zu verzeichnen (Prinzip der Selbstwirksamkeit).
Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass es all diejenigen, die sich über fehlende Wertschätzung von Vorgesetzten, (Ehe)-Partnern, Kindern, Eltern oder Freunden beschweren, noch nicht geschafft haben, ein hohes Selbstwertgefühl zu entwickeln, sondern im emotionalen Entwicklungslevel der Pubertät stehen geblieben sind und es noch nicht auf das, eines hoch entwickelten Individuums geschafft haben.
Ich möchte klar stellen, dass dies für Unternehmer keine Ausrede darstellen darf, nicht zu versuchen, den Mitarbeitenden die Wertschätzung entgegen zu bringen, die sie verdient haben. Ich möchte auf diese Weise nur sensibilisieren, dass es zu einfach ist, die Schuld für fehlende Wertschätzung einfach auf Führungskräfte oder Unternehmer abzuwälzen.
Denn für Führungskräfte und Unternehmer stellt es die Königsdisziplin dar, jedem die Wertschätzung entgegen zu bringen, die der jeweilige Mitarbeitende auf seinem individuellen Entwicklungsstand benötigt.
Meine Empfehlung:
a) Für Mitarbeitende, die fehlende Wertschätzung von ihrem Vorgesetzten empfinden:
Geht in die Selbstreflexion und überlegt euch, ob es wirklich an der fehlenden Wertschätzung von Außen liegt oder ob doch eher ihr selbst mit euch unzufrieden seid und dies weder etwas mit eurem Job, noch mit eurem Vorgesetzten oder dem Unternehmen, in dem ihr arbeitet, zu tun hat.
Kleiner Hinweis am Rande: Sollte euch immer wieder das gleiche Schicksal der fehlenden Wertschätzung in Beziehungen mit Partnern und/oder nach einer bestimmten Zeit bei verschiedenen Arbeitgebern ereilen, dann könnte sich da ein Muster abzeichnen, oder?
b) Für Unternehmer, die mit diesem Thema der fehlenden Wertschätzung von Mitarbeiterseite konfrontiert werden:
Investiert in eure Mitarbeiter in Form von externe Persönlichkeitsentwicklungsmaßnahmen (am Besten in Form von Coachings). Ihr könnt versuchen eure Mitarbeiter auf dieses Thema zu sensibilisieren, jedoch wird dieser Versuch scheitern. Zum Einen ist der Prophet im eigenen Lande einfach nichts wert und zum Anderen wird euch dabei nur unterstellt werden, dass ihr versucht, eure Mitarbeiter zu manipulieren bzw. die Schuld von euch auf sie zu abzuwälzen!
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