"Ich habe mir für das Unternehmen den A****h aufgerissen
und wurde grundlos gekündigt!"
Lesezeit: 2,5 Minuten
Auch dieses Zitat stammt aus meiner Feedback-Kiste, mit dem ich in den letzten Jahren häufig konfrontiert worden bin.
Der rational denkende Beobachter wird auf den Blick erkennen, dass diese Art der Aussage aus einer Emotion heraus und mit einer äußerst subjektiven Brille getroffen wird.
In den letzten 10 Jahren meiner beruflichen Laufbahn habe ich eine Vielzahl von Kündigungen ausgesprochen und kann mit bestem Gewissen sagen, dass ich keine der Kündigungen "grundlos" ausgesprochen habe, geschweige denn, dies mit fehlender Sympathie zum jeweiligen Mitarbeiter zu tun hatte.
In der heutigen Zeit, in der ein großer Fachkräftemangel herrscht, jedes Unternehmen um die kompetentesten Mitarbeiter kämpft und die Macht auf dem Arbeitsmarkt nicht mehr auf Arbeitgeber sondern auf Arbeitnehmerseite liegt, wäre es mehr als fahrlässig und völlig irrational als Unternehmer die mit großem Aufwand rekrutierten und mühsam aufgebauten Arbeitnehmer grundlos aus einer Laune heraus zu kündigen.
Im Endeffekt gibt es zu jeder Kündigungen eine gewisse Grundlage. Diese liegt zu 90% entweder in der Wirtschaftlichkeit des Unternehmens oder in der Leistungsfähigkeit des jeweiligen Mitarbeiters.
Gerade der zweite Grund ist im Rahmen eines Kündigungsgesprächs für einen Mitarbeiter naturgemäß nur schwer zu akzeptieren, da sich diese Aussage nicht mit dem eigenen Selbstbild deckt.
Ich bin davon überzeugt, dass jeder Mitarbeiter grundsätzlich einen guten Job machen möchte. Ich kann mir in meinem Weltbild beim besten Willen nicht vorstellen, dass ein Angestellter morgens aufsteht und beschließt, am heutigen Arbeitstag 8 Stunden lang einen ricktigen Kack-Job zu machen.
Dennoch kollidieren an dieser Stelle häufig Arbeitgeber und Arbeitnehmer in Bezug auf das Verständnis bzgl. der Arbeit, der sie nachgehen, was sich auf unser System sowie die arbeitsrechtlichen Grundlagen zurückführen lässt.
Im Arbeitsvertrag sind in der Regel die wöchentlichen Arbeitszeiten definiert, die ein Mitarbeiter zu leisten hat und für die er einen gewissen Betrag in Form von Gehalt am Ende des Monats erhält.
Dadurch glauben viele Angestellte, dass Sie für die Zeit bezahlt werden, die sie auf der Arbeit verbringen. Und dies kollidiert mit den eigentlichen Erwartungen eines Unternehmers.
Der Unternehmer bezahlt seine Mitabrbeiter nicht für die Zeit, die er auf der Arbeit verbringt, sondern für die Ergebnisse, die er oder sie in dieser Zeit produziert.
Um diese Diskrepanz präventiv aufzulösen, erzählen wir in unserem Unternehmen unseren Mitarbeitern gerne die Geschichte von "the tree is green", um diese Diskrepanz von vorne herein aufzulösen.
Wir stellen uns vor, wir sind zurück in der Schule im Englisch-Unterricht und schreinen eine Klausur. Das Thema der Klausur lautet: "Write something about the eating habbits of rabbits".
Dafür hast du 6 Stunden Zeit und darfst alles benutzen, was du benutzen möchtest.
Du hast dich mehrere Wochen intensiv auf diese Klausur vorbereitet und viel Geld in Nachhilfe investiert. Zum Start der Klausur beginnst du also im Internet zu recherchieren, machst dir sehr viele Notizen, denkst sehr angestrengt über das Thema nach und nach 6 Stunden harter Arbeit schreibst du in schönster Schönschrift auf das Blatt, das du am Ende der Klausur abgibst: "the tree is green".
Der Satz ist grammatikalisch völlig korrekt, du hast dich krass angestrengt, enorm viel Energie, Zeit und Gehirnschmalz investiert, mit der schönsten Schrift geschrieben, die die Welt je gesehen hat und doch ist das Ergebnis eine 5,0 und du bist durchgefallen, weil du leider das Thema verfehlt hast.
Und genauso ist es auch in der Arbeitswelt. Am Ende interessiert es nicht, wie sehr wir uns anstrengt, wie sehr wir uns den A****h aufreißen oder wieviel Zeit wir investiert haben. Am Ende zählt einzig und allein die Ergebnisse, die wir über einen gewissen Zeitverlauf, für den wir Geld bekommen haben, produziert haben.
Denn genauso dieser Challange muss sich jeder Unternehmer stellen, der in der freien Wirtschaft agiert. Am Ende des Jahres schaut das Finanzamt, wie die Bilanz aussieht, ob das Unternehmen Plus oder Minus erwirtschaftet hat.
Sollten sich die Ergebnisse im Laufe des Geschäftsjahres nicht eingestellt haben, ist der Unternehmen insolvent und weg vom Fenster. Denn das Finanzamt interessiert genauso wenig, wie sehr wir uns angestrengt haben oder dass wir in der Woche 80 Stunden gearbeitet haben.
Fazit:
Kündigungen im Arbeitskontext sind eine verrückte Sache, bei der mit zweierlei Maß gemessen wird.
Wenn ein/eine Arbeitnehmer/in kündigt, dann ist das völlig in Ordnung, das Unternehmen hat das hinzunehmen und muss auch noch ein gutes Arbeitszeugnis ausstellen.
Aber wehe, der Arbeitgeber erdreißtet sich, die Kündigung auszusprechen. Und dann auch noch aus leistungsbezogenen Gründen. Dann ist die Hölle los.
Ich habe in meiner Karriere viele Strategien versucht, die Kündigung für den Arbeitnehmer so angenehm, wie nur möglich zu machen und Transparenz über die Gründe zu schaffen, damit der Arbeitnehmer seine Schlüsse ziehen und dies bei der nächsten Station besser machen kann.
Doch egal, wie du das Gespräch angehst, ich habe bisher noch niemand erlebt, der gesagt hat: "Du hast absolut Recht. Ich habe keinen guten Job gemacht, die Kündigung ist gerechtfertigt."
Unsere Psyche hat an dieser Stelle einen Mechanismus eingebaut, der in der Psychologie der "Fundamentale Attributionsfehler" genannt wird.
Unsere Reaktion besteht darin, die Schuld für unser Scheitern nicht bei uns selbst (internale Attribution), sondern im Außen (externale Attribution) zu suchen, um Despressionen vorzubeugen.
Dennoch sollte sich jeder Arbeitnehmer bewusst darüber sein, dass ihn kein Unternehmer oder Führungskraft kündigt.
Mitarbeiter kündigen sich selbst, wenn sie das Prinzip von "the tree is green" nicht verstanden haben.
Der Unternehmer bzw. die Führungskraft zieht lediglich die Konsequenz aus dem Handeln des jeweiligen Mitarbeiters und teilt die Konsequenz am Ende mit.
Denn als gute Führungskraft ist es die Aufgabe, dass Kollektiv zu schützen und für Ergebnisse zu sorgen.
Doch das wird von Arbeitnehmern häufig leider nicht erkannt. Es ist ja auch einfacher, die Schuld bei der Führungskraft oder dem Unternehmen, als bei sich selbst zu suchen.
Es ist schließlich bequemer, eine schlechte KUNUNU-Bewertung zu schreiben, als an sich und seinen eigenen Kompetenzen zu arbeiten...
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